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Experteninterview mit Stephan Günther

Förderung einer energetischen Sanierung

Im Interview steht Stephan Günther von Energieheld ausgiebig Rede und Antwort über die aktuelle Situation der Förderlandschaft in Deutschland. So gibt er nicht nur einen Überblick über mögliche Fördermittel, sondern gibt auch Tipps, was man bei einem Antrag auf Förderung beachten sollte.

Inhaltsverzeichnis

Stephan GüntherÜber den Experten:
Stephan Günther ist bei Energieheld seit Gründung im Jahre 2012 für das Online-Marketing zuständig. Die Energieheld GmbH aus Hannover informiert auf ihrem Web-Portal über Themen der energetischen Gebäudesanierung (Heizung, Fenster, Dämmung, Dach, Solar). Ihr Ziel ist es, die Bürger unabhängig von Marken und Herstellern sinnvoll zu informieren, sie individuell zu beraten und gemeinsam mit dem Handwerkspartner die Sanierung optimal durchzuführen.
Foto: Energieheld GmbH

Was verstehen Sie unter einer energetischen Sanierung und welche Sanierungsmaßnahmen fallen hierbei häufig an?

Mit „energetische Sanierungen“ sind Maßnahmen der Gebäudesanierungen gemeint, welche auch die Energieeffizienz erhöhen sollen. Damit sind also keine Maler- oder Badezimmerarbeiten gemeint, sondern vor allem die Modernisierung der Gebäudehülle und -technik. Am häufigsten sind das Sanierungen wie etwa: nachträgliche Dämmungen, Erneuerungen auf effizientere Heizsysteme, moderne Fenster, Dacherneuerungen oder Solarsysteme.

Welche Fördermittel ermöglichen Bund, Länder und Kommunen bei der energetischen Gebäudesanierung?

Bei dem Thema Förderungen gibt es in Deutschland im Grunde zwei große, bundesweite Instanzen. Das ist zum einen die KfW Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und zum anderen das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle).

Beide fördern verschiedene Maßnahmen der Gebäudesanierung. Die KfW bietet hier Zuschusszahlungen, sowie einen zinsgünstigen Kredit an. Das Verfahren und die einzelnen Programme sind etwas komplexer, hier hilft aber eine kurze Internetrecherche meist schon weiter.

Wichtig bei der KfW ist jedoch, dass die Förderanträge unbedingt VOR der Umsetzung der Maßnahmen gestellt werden. Nachträglich und rückwirkend ist dies nicht mehr möglich.

Beim BAFA wird der Antrag hingegen nach der Inbetriebnahme gestellt. Bei den BAFA-Förderungen werden explizit Techniken mit erneuerbaren Energien unterstützt. Das trifft vor allem auf Heiztechniken, zum Beispiel auf Pelletheizungen oder Wärmepumpen, zu. Aber auch die Installation einer unterstützenden Solarthermieanlage wird gefördert.

Das sind die bundesweiten Förderungen. Darüber hinaus haben auch viele Bundesländer noch eigene Programme, zum Beispiel gibt es in Niedersachsen von der N-Bank ebenfalls ein Darlehen für die energetische Modernisierung. Weitere Programme sind beispielsweise das „progres.nrw“ in Nordrhein-Westfalen oder das „10.000 € Häuser Programm“ in Bayern.

Oft geben aber auch Kommunen noch verschiedene Anreize zu Energieeffizienzmaßnahmen an. Diese sind recht vielseitig, können aber via Internetrecherche ebenso schnell gefunden werden.

Kerndämmung Foto: Energieheld GmbH / NordDämm

Was versteht man jeweils unter einem KfW-Effizienzhaus, Passivhaus, Nullenergiehaus und Plusenergiehaus? Welche Bedeutung haben die Niedrigenergiehäuser für die Förderung?

  • Bei den KfW-Effizienzhäusern handelt es sich um eine Bezeichnung für besonders energieeffiziente Gebäude. Die KfW legt hier bestimmte Standards für das Haus fest, dabei sind der so genannte Primärenergiebedarf und der Transmissionswärmeverlust von Bedeutung. In dessen Abhängigkeit können zum Beispiel die KfW- Effizienzhäuser 85 oder 55 bestimmt werden. So ist es zum Beispiel möglich, ein Gebäude durch verschiedene Maßnahmen auf ein KfW-Effizienzhaus 85 zu sanieren. Die Zahl soll dabei verdeutlichen, wie sparsam das Gebäude ist und bezieht sich auf den aktuellen Standard. Saniert man also zum Effizienzhaus 85, so verbraucht das Haus in etwa nur 85 % von dem, was ein gleicher Neubau verbrauchen würde.
  • Ein Passivhaus hingegen geht eine ganze Ecke weiter. Passivhäuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Grunde kein klassisches Heizsystem benötigen. Sie sind so gut wärmegedämmt, dass sie lediglich mit der Körperwärme, durch Sonneneinstrahlung und mittels Wärmetauscher, quasi „passiv“ beheizt werden. Viele Passivhäuser haben dennoch eine Wärmepumpe, die dann allerdings auch zur Kühlung genutzt wird. Ein Bestandsgebäude auf Passivhausniveau zu bringen, ist allerdings nur mit sehr hohem Kostenaufwand zu realisieren, weshalb dies eigentlich nur im Neubau infrage kommt.
  • Nullenergiehäuser wiegen die extern bezogene Energie im Jahresmittel durch eigene Energieproduktion auf. Der überschüssige Energiegewinn, meist im Sommer durch Solaranlagen, gleicht dabei den Aufsparrendämmung externen Bezug an Energie im Winter aus. Strom und Wärme werden dann vor allem im Sommer komplett durch das Gebäude erzeugt.
  • Ich glaube es existiert keine ganz klare Definition für ein Plusenergiehaus, aber wie der Name schon vermuten lässt, wird hier im Jahresmittel ein PLUS an Energie erzeugt. Plusenergiehäuser gewinnen also selbstständig mehr Energie, als sie verbrauchen. Diese „überschüssige“ Energie wird dann natürlich in das Netz eingespeist oder vor Ort gespeichert. Die Energiebilanz des Gebäudes ist im Jahresmittel positiv.

Bezüglich der Förderungen kann man sagen, dass die Förderungen höher ausfallen, je höher der Energieeffizienzstandard des Gebäudes ist. Natürlich ist aber der Bau oder die Sanierung dieser Gebäude ebenfalls mit wesentlich höheren Kosten verbunden.

Wie weit ein Hausbauer hierbei gehen will, ist also natürlich auch eine Frage der Finanzierbarkeit, dennoch kann man sagen, dass die höheren Investitionskosten auf lange Sicht durch die niedrigen Betriebskosten aufgefangen werden.

Beispiel-Video einer Dämmung



Wann und wie sollte man einen Antrag auf Förderung stellen?

Das kommt darauf an, was für eine Förderung man genau anstrebt. Im Optimalfall sollten sich die Eigenheimbesitzer daher natürlich schon im Vorfeld zu den möglichen Förderungen informieren.

Gerade die Fördermittel der KfW müssen schließlich schon vor der Umsetzung beantragt werden. Die KfW-Anträge müssen stets über einen Energieberater laufen. Dieser stellt den offiziellen Antrag für den Eigenheimbesitzer bei der KfW.

Die Bafa-Fördermittel werden in der Regel bis zu neun Monate nach Inbetriebnahme beantragt, jedoch ist es natürlich auch hier äußerst sinnvoll, sich schon im Vorfeld mit den Fördermitteln vertraut zu machen. Der Antrag wird dann von dem Handwerksbetrieb, mit Angabe aller Rechnungen, gestellt.

Nur die wenigsten haben einen Durchblick im Fördermitteldschungel. Sollte man daher immer einen Energieberater hinzuziehen?

Für die KfW-Anträge ist ein Energieberater notwendig, bei anderen Fördermitteln kann man sich aber auch ohne Hilfe eines Energieberaters die Fördermittel erfolgreich sichern. Dennoch kann ein Energieberater verschiedene Fördermittel und ggf. auch sinnvolle Sanierungsmaßnahmenpakete aufzeigen, durch die sich dann die Förderung erhöht. Grundsätzlich macht man mit einem Energieberater nichts verkehrt, hier ist eher die Frage, wie viel Zeit man selber in die Informationssuche stecken will.

Was sind Ihrer Meinung nach die drei größten Fehler, die man bei der Förderung einer energetischen Sanierung begehen kann?

  1. Der größte Fehler ist es natürlich, sich nicht zu informieren. Oft werden förderfähige Maßnahmen durchgeführt, ohne die Zuschüsse oder günstigen Kredite in Anspruch zu nehmen. Das ist natürlich im Grunde verschenktes Geld.
  2. Auch wird oft zu spät beantragt. Das ist natürlich ärgerlich, aber vermeidbar, wenn man sich rechtzeitig informiert.
  3. Außerdem gibt es manchmal Kombinationsmöglichkeiten, die eine höhere Förderung ermöglichen, wenn man sie gemeinsam angeht. Beispielsweise das Lüftungspaket der KfW. Wird eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung eingebaut und gleichzeitig ein Teil der Gebäudehülle gedämmt, so erhält man einen höheren Fördersatz von 15 % auf beide Maßnahmen. Würde man beide Vorhaben einzeln durchführen, würde man nur 10 % erhalten und somit für die gleichen Maßnahmen Geld liegen lassen.

Bei welchen Sanierungsmaßnahmen sehen Sie das größte Förderungspotential? Sprich: Wo lohnt es sich am meisten?

Förderungen haben die größte Wirkung bei großen Projekten. Dort wo das Sanierungsvolumen groß ist und auf erneuerbare Energien gesetzt wird. So zum Beispiel bei großen Dachsanierungen, bei denen auch noch die neue Pelletheizung zukünftig mit einer mit Solarthermieanlage unterstützt wird.

Auch sind die Förderungen für die Sanierungen zu einem KfW-Effizienzhaus sehr attraktiv. Hierbei handelt es sich meist ebenfalls um recht umfangreiche Gesamt-Sanierungen.

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